Psychologie des Fastens

Fasten ist viel mehr als einfach nicht zu essen. Der Verzicht auf Nahrung in Kombination mit einem veränderten Lebensstil fördert nicht nur deine körperliche sondern vor allem auch dein psychisches Gesundheit.

Wie genau das funktioniert und was du dabei beachten musst, erfährst du in diesem Artikel!

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Was bedeutet fasten?

Es gibt unterschiedliche Arten zu fasten. In diesem Artikel soll es zunächst um die Auswirkungen des klassischen Heilfastens nach Buchinger gehen. Hierbei werden in einem Zeitraum von etwa 5 bis 10 Tagen ausschließlich Gemüsebrühen, Säfte, Tees (mit Honig gesüßt) und vor allem viel Wasser zu sich genommen. Dieser Verzicht sollte idealerweise mit Leberwickeln, Basenbädern, Meditationen und Spaziergängen unterstützt werden. Es geht also nicht nur um eine Änderung der Ernährung, sondern um eine Art körperlichen und psychischen Reset.

Dies bietet nicht nur zahlreiche gesundheitliche Vorteile wie einen Gewichtsverlust, Linderung rheumatischer Beschwerden, Bluthochdruck und Diabetes sondern auch einen positiven Effekt auf deine Psyche.

 

Fasteneuphorie

Das wohl häufigste psychische Phänomen unter Fastenden ist die Fasteneuphorie. Nach etwa 2 bis 3 Tagen berichten ein Großteil aller Fastenden von mehr Energie, Freude und einer Art Hochgefühl. Doch wie kann man das erklären?

Bereits nach einem kurzzeitigen Verzicht auf feste Nahrung kommt er zu einer erhöhten Verfügbarkeit von Tryptophan im Gehirn. Aus diesem Tryptophan wird Serotonin gebildet, welches unter anderem eine positive Auswirkung auf unsere Stimmung hat.

In Experimenten mit Ratten fanden Forscher zusätzlich einen zweiten Mechanismus, der erst nach einigen Tagen des Fastens einsetzt. Sie fanden heraus, dass sich durch das Fasten die Anzahl von Serotonintransportern in den Nervenendigungen vermindert. Dadurch können die freigesetzten Transmittermoleküle nicht so schnell wieder in die Synapse aufgenommen werden und verweilen länger an den jeweiligen Rezeptoren. So können sie länger ihre Wirkung erzielen und deine Stimmung positiv beeinflussen. Das ist übrigens genau der Mechanismus mit dem selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer, eine Form von Antidepressiva, arbeiten.

Schutz vor Alzheimer-Demenz

Ein weiterer positiver Effekt auf unsere psychische Gesundheit wurde von Mark Mattson, einem Professor für Neurowissenschaften am John Hopkins Bayview Medical Center erforscht. Er fand heraus, dass beim Fasten vermehrt das Protein BDNF produziert wird. Dieses stärkt die synaptischen Verbindungen und regt die Synthese neuer Nervenzellen an. So kann Fasten laut Mattson eine präventive Maßnahme gegen die Alzheimer-Demenz sein und die allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit schützen.

Belohnungsaufschub lernen

Oft ist das, was wir jetzt wollen nicht das, was uns langfristig glücklich macht. Der Wunsch nach Schokolade, einem Glas Wein und einem gemütlichen Abend auf der Couch ist jetzt verlockend und wird uns kurzfristig glücklich machen. Doch langfristig wäre wahrscheinlich ein Stück Obst, Tee und ein Spaziergang die bessere Wahl. Doch wie kann fasten uns helfen, diese Wahl öfter zu treffen?

Grundsätzlich neigen Menschen dazu, die sofortige Befriedigung zu wählen. Der Biss in die Schokolade oder der Schluck Wein wird dann über das mesolimbische System vermittelt und sorgt dort für eine erhöhte Dopaminausschüttung. Um diesen Impuls aber zu unterdrücken müssen Areale im Präfrontalen Kortex aktiviert werden und genau das wird beim Fasten trainiert. Dadurch wird es dir auch in Zukunft leichter fallen, kurzfristigen Belohnungen zu widerstehen und auf ein langfristiges Ziel hinzuarbeiten. Und das wird dir nicht nur dabei helfen einen gesünderen Lebensstil zu führen sondern dich auch insgesamt glücklicher machen.

Fastenkrise …

Einfach nichts zu essen, ist manchmal gar nicht so leicht!  Das merken die meisten Fastenden nach etwa 2-3 Tagen. Hier leiden viele unter Kopfschmerzen, Konzentrationsmangel, Müdigkeit, Reizbarkeit oder einfach gesagt: schlechter Laune! Und das ist vollkommen normal, denn die meisten Symptome entstehen durch die Entgiftung, die nun beginnt.

…und wie du sie überstehst

Wichtig um deine Fastenkrise möglichst schnell zu überstehen, ist vor allem deinem Körper bei dieser Entgiftung zu unterstützen. Dazu gehören viel Bewegung, am besten an der frischen Luft, ausreichend trinken und genug Ruhe. Du kannst aber auch zusätzlich Leberwickel machen, Basen- oder Fußbäder nehmen und morgens nach dem Aufstehen ölziehen. Mit Ingwer-Tee kannst du Schwindel und Übelkeit entgegenwirken.

Zudem macht es Sinn, dich bereits einige Tage vorher auf das Fasten vorzubereiten. Fängst du bereits vorher an, auf Zucker, Koffein, Alkohol und Weißmehl zu verzichten, werden die Entzugserscheinungen zu Beginn des Fastens deutlich geringer sein. Dazu werden am Anfang so genannte Entlastungstage empfohlen.

Jeder Körper reagiert natürlich unterschiedlich und abhängig davon, wie du dich sonst ernährst. Versuche also die Zeit auch dazu zu nutzen, um bewusst auf deinen Körper zu hören und ihm das zu geben, was er gerade braucht.

Wer kann fasten?

Grundsätzlich kann jeder fasten! Wichtig ist es trotzdem vor dem Fasten mit deinem Arzt oder Heilpraktiker zu sprechen und die Fastenkur ggf. auch professionell begleiten zu lassen. Raten würde ich dir das vor allem wenn du bereits Vorerkrankungen hast und Medikamente einnimmst. Vom Fasten abraten würde ich dir, wenn du unter einer Essstörung leidest bzw. gelitten hast, stark untergewichtig bist oder dich das Thema Essen in irgendeiner Weise triggert. Schließlich soll fasten nicht hungern oder abnehmen bedeuten, sondern ein bewusster Verzicht nachdem du wieder ganz normal essen solltest.

Fasten als Chance

Fasten ist sicherlich nicht die einfachste Methode, um sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Aber es lohnt sich! Wenn du die ersten schwierigen Tage überstanden hast, wird es leichter und positive Veränderungen werden sich einstellen. Probiere es doch einfach mal aus! Nach dem Fasten wird es dir viel leichter fallen, neue Gewohnheiten zu etablieren und diese auch beizubehalten. Daher ist es eine großartige Chance, um deine Ernährung langfristig umzustellen. Überlegst du bspw. dich vegetarisch, pescetarisch oder vegan zu ernähren? Dann können dir schon 3-4 Tage Fasten den Umstieg deutlich erleichtern.

Viel Erfolg, deine Sophie!

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